2008-02-03, Lippstadt am Sonntag, "IKAROS" verleiht Flügel

Das bislang im Technologiezentrum Cartec angesiedelte Unternehmen Ferber-Software baut in der Nähe des Bahnhofes eigenes Bürogebäude

Lippstadt (-ger). Auf einer der exponiertesten Flächen der Innenstadt rücken die Bagger an. Noch in diesem Jahr will die prosperierende Software-Schmiede Ferber-Software Richtfest in ihrem Neubau auf der Ecke Erwitter Straße/Südtangente feiern. Das städtische Areal war in der Vergangenheit für ein Stadthaus reserviert gewesen, aber laut Ratsbeschluss im Jahr 2003 wurden diese Pläne nicht weiter verfolgt. Gegenwärtig wird das Grundstück daher lediglich als Parkfläche genutzt. Zurzeit feilt das im Technologiezentrum Cartec untergebrachte Unternehmen zusammen mit dem Architekturbüro Passgang und Sprengkamp an den letzten Feinheiten. „Es muss jetzt losgehen”, möchte Firmenchef Matthias Ferber schnell an den Start kommen. Ferber-Software hat am bestehenden Standort inzwischen fast 700 qm Bürofläche belegt und stößt an die Grenzen der Weiterentwicklung. Deshalb haben sich Geschäftsführer Matthias Ferber und Mitgesellschafter Jochen Schneiders zu einem Neu- bau entschlossen. „Wir brauchen mehr Platz”, verweist Ferber auf Anfrage dieses Blattes auf ein äußerst dynamisches Wachstum. Im nächsten Monat stellt das Unternehmen sieben neue Mitarbeiter ein. Und es sollen mittelfristig deutlich mehr werden. Seit der Unternehmensgründung 1990 gehen die Umsätze steil im zweistelligen Prozentbereich aufwärts. Im März 2000 zog Ferber mit bereits 13 Mitarbeitern in das neue Technologiezentrum ein, heute beschäftigt das auf Inkasso-Software spezialisierte Unternehmen 54 Mitarbeiter; die meisten davon sind aus Lippstadt. Mit im Team sind fünf Auszubildende. Für dieses Jahr wird ein weiterer Auszubildender gesucht, der als Fachinformatiker im Bereich Anwendungsentwicklung tätig werden möchte. Über 150 Unternehmen nutzen das „IKAROS” genannte System, darunter so wohlklingende Referenzen wie Fortis, E.ON/edis, Team!Bank und arvarto infoscore. 1997 holte Ferber, der am Ostendorf-Gymnasium sein Abi gebaut hat, mit Jochen Schneiders einen Mitgesellschafter in das Unternehmen. „Das Thema Abrechnung ist hochkomplex”, macht Ferber die hohen Anforderungen an die Entwickler deutlich. Das Unternehmen bietet flexible Lösungen für die unterschiedlichsten Ansprüche. Rund zwei Dutzend Experten tüfteln und entwickeln „IKAROS” weiter. Bereits in der Grundversion lässt sich die Wiedervorlagebearbeitung vollständig automatisieren. Ferber bezeichnet die Automationsmöglichkeiten als Grundvoraussetzung für eine effiziente Massenverarbeitung. In regelmäßigen Treffen mit den Anwendern checkt die Firma Entwicklung und Bedarf ab. Ähnlich wie bei den Größten in der Computerbranche bedient Ferber auch sogenannte Beta-Tester, die vor der Serieneinführung mit den neusten Produkten versorgt werden und sie ausgiebig auf ihre Praxistauglichkeit prüfen können.

Mit dem Neubau will die Firma die Weichen für eine dauerhafte Aufwärtsentwicklung stellen. Das Bürogebäude entsteht auf einem Grundstück von knapp 1 .900 qm Größe. Geplant ist ein modernes Objekt mit vier Geschossen und einem Staffelgeschoss, beschreibt die für die Projektbetreuung verantwortliche Abteilungs-Leiterin Organisation, Nicole Niehage, die Planung. Mit einer Bruttogeschossfläche von 2.300 qm wird das Unternehmen künftig fast doppelt so viel Bürofläche zur Verfügung haben wie bislang. „Zusammen mit dem Südertorcarrée entsteht hier ein neues Portal der Stadt”, freut sich Matthias Ferber darüber, dass an dieser bislang wenig einladenden Stelle ein vorzeigbarer Gebäudekomplex gebaut wird. Auch für das gegenüber geplante Carrée steuert das Architekturbüro Passgang und Sprengkamp den Entwurf bei. Die Pläne des Büros für das Südertor West mit dem Cineplex sind bereits gebaute Wirklichkeit. Die untersten beiden Geschosse des neuen Firmensitzes erhalten einen dunkelgrauen Klinker, die beiden darüber liegenden werden mit einem weißen Putz versehen. Über das Material für das Staffelgeschoss ist noch nicht das letzte Wort gesprochen, möglicherweise wird die Fassade aus Glas sein. Von Anfang an klar war für Ferber, dass die Firma in Lippstadt bleibt und möglichst ins Zentrum der Stadt rückt. Die Mitarbeiter waren bei diesem Vorhaben eng einbezogen. In einem Gremium aus Führungskreis und den einzelnen Abteilungen wurden Entwürfe, Ideen und Konzepte erörtert. „Das war die Chance, den eigenen Arbeitsplatz mitgestalten zu können”, erläutert Ferber. Nicole Niehage spricht von einem „spannenden Projekt”. Ende des Jahres soll Richtfest gefeiert werden, in der ersten Jahreshälfte 2009 der Umzug folgen. Über die Zusammenarbeit mit der Kommune und der Wirtschaftsförderung kann sich Ferber bislang nicht beklagen, ganz im Gegenteil: „WFL und Stadt haben uns hervorragend unterstützt. Die haben immer ein offenes Ohr gehabt”, betont Ferber. Nicht ausgeschlossen, dass diese Zusammenarbeit in die Verlängerung geht. Denn das Software-Unternehmen hat auf dem vorgesehenen Grundstück noch Raum für eine Erweiterung und kann die Option für eine südlich gelegene Fläche wahrnehmen.

 

Geschäftsführer Matthias Ferber und Projektleiterin Nicole Niehage freuen sich über das Neubauprojekt für die Firma Ferber-Software auf dem Eckgrundstück Erwitter Straße/Südtangente nahe des Bahnhofes.