Mit dem eigenen Gebäude am Konrad-Adenauer-Ring erfüllt sich das Software-Unternehmen einen seit längerer Zeit gehegten Wunsch. Offizielle Einweihung des Drei-Millionen-Objektes ist am 26. Juni.
„Ikaros“ fliegt in immer größere Höhen
Die Lippstädter Software-Schmiede Ferber ist mit 60 Mitarbeitern ineinen eindrucksvollen Neubau an den Konrad-Adenauer-Ring umgezogen
Lippstadt (-ger). Für die Stadt war und ist die Standortentscheidung ein Glücksfall. Bislang eher eine Schmuddelecke mit dem Flair von Hinterhof und Brache, hat die erst 1997 gegründete Ferber-Software GmbH mit ihrem Neubau am Konrad-Adenauer-Ring 10 an einem neuralgischen Punkt einen städtebaulichen Akzent gesetzt, der ein weiteres Signal in Richtung grundlegende Neuordnung des Quartiers aussendet. Nach gut eineinhabjähriger Bauzeit ist das von den Architekten Passgang + Sprengkamp entworfene Gebäude mit seinem eindrucksvollen Staffelgeschoss soeben bezogen worden. 60 Mitarbeiter erarbeiten hier für namhafte Kunden Software und leisten IT-Beratung für ein professionelles Forderungsmanagement. Zu den Abnehmern zählen viele Inkassodienstleister wie die Bertelsmann-Tochter arvato-infoscore, aber auch Rechtsabteilungen von Unternehmen, die im eigenen Namen Forderungsmanagement betreiben. Die TeamBank mit ihrem Produkt easyCredit, das Energieschwergewicht E.on oder die R+V-Versicherung zählen dazu.
Ferber-Software möchte in seinem Segment Marktführer in ganz Europa werden. In dem neuen Gebäude ist für zusätzliche Kapazitäten gesorgt. Das Objekt bietet Raum für 90 Arbeitsplätze und ist noch erweiterbar. Drei Millionen Euro nahm die Geschäftsleitung für diese Investition in die Hand. Da fällt die Ausgabe für einen Kicker in einem eigenen Raum wohl kaum auf, gibt aber Auskunft über das Wir-Gefühl der beiden Geschäftsführer Matthias Ferber und Jochen Schneiders. Ferber und Schneiders hatten die GmbH vor zwölf Jahren aus der Taufe gehoben, nachdem Matthias Ferber das Einzelunternehmen „Ferber EDV-Betreuung“ gegründet hatte. Was als Möglichkeit zur Finanzierung des eigenen Studiums gedacht war, kam rasch in Schwung und verlangte nach personeller Unterstützung. Zunächst halfen Kommilitonen als Teitzeitmitarbeiter, danach stieg einer seiner Kommilitonen, Jochen Schneiders, nach erfolgreichem Studium als erster hauptberuflich Beschäftigter ein, überführte das Einzelunternehmen in eine GmbH und wurde Mitgesellschafter und Prokurist. Damit war der Grundstein für eine erfolgreiche und rasche Expansion gelegt, die ihren Anfang bei der Frage eines Inkassounternehmens nach einer Software genommen hatte, die die zahlreichen Arbeitsabläufe rationalisieren sollte. Dabei herausgekommen ist eine „Ikaros“ genannte Geschäftsidee. 2002 kam die innovative Software bereits in der dritten Generation auf den Markt. Seitdem gibt es mehrere neue Produktlinien. Erst im vergangenen Jahr startete das Unternehmen die Entwicklung von „Ikaros enterprise“. Heute wenden 170 Unternehmen Lösungen aus der Lippstädter Softwareschmiede an.
Was zunächst auf dem Dachboden der Eltern Form und Kontur gewann, wurde in angemieteten Geschäftsräumen in Bökenförde und später im Königshof ausgedehnt. Zum Jahrtausendwechsel stand der „Wechsel zu einer weiterführenden Schule“ an, wie Geschäftsführer Ferber scherzhaft beim Richtfest zurückblickte.
Matthias Ferber (l.) und Jochen Schneiders stehen an der Spitze des Unternehmens
Ausreichend Platzfür weiteren Erfolg
Raumreserven lassen Wachstum des erfolgreichen Unternehmens zu
Der Wechsel in das Technologiezentrum Cartec an der Erwitter Straße erwies sich aus Sicht des jungen Software-Unternehmens als „hervorragende Entscheidung, denn in den Jahren der wilden Pubertät hat das Cartec dem ungestümen Wachstum unseres Teenagers Raum gegeben und den Austausch mit den anderen Heranwachsenden ermöglicht“, zog der Unternehmenslenker ein überaus positives Resümee.
Die Qualität der Software sprach sich schnell herum, und so wurden nicht nur immer mehr, sondern vor allem größere und anspruchsvolle Unternehmen zu Anwendern. Meilensteine wie der erste internationale Konzern oder die erste Bank stellten immer wieder große Herausforderungen dar. Ambitionierte zeitliche Vorgaben und hart verhandelte Verträge verlangten Ferber und Schneiders mehrfach auch hohe Risikobereitschaft ab. Doch aus jetziger Sicht hat sich der Mut in jedem dieser Projekte ausgezahlt und ließ die Grenzen des Machbaren weiter wachsen.
Mit dem Erfolg verfestigte sich der Wunsch nach eigenen Räumen. Immer wenn eine größere Immobilie in oder um Lippstadt zum Verkauf stand, bekam dieser Gedanke neue Nahrung. Im Frühjahr 2007 gab es dann kein Halten mehr. Mit Unterstützung von Wirtschaftsförderung und Stadt gab es keinen Umzug in einer Gewerbegebiet, sondern auf den höchst attraktiven Standort unweit des Hauptbahnhofs.
Das von den Architekten Passgang + Sprengkamp entworfene Gebäude zeichnet sich durch seine Geradlinigkeit aus. Hochwertige Materialien unterstreichen eine schnörkellose Formensprache, die Zurückhaltung sucht und damit Eleganz findet. In nüchternen Zahlen ausgedrückt, lässt sich das imposante Eckgebäude mit 45 eigenen Stellplätzen so beschreiben: Nutzfläche 2.007 qm, Hauptnutzfläche 1.295 qm. Alle Bereiche sind barrierefrei zugänglich. Architektonisches Highlight ist der Konferenzbereich im Staffelgeschoss für über 100 Personen, der eine fantastische Aussicht auf die Stadt ermöglicht. Das Objekt am Adenauer-Ring nimmt die Weiterentwicklung des Unternehmens vorweg und bietet ausreichend Reserven für künftige Mitarbeiter. Im Erdgeschoss besteht darüber hinaus noch Platz für ein Ladenlokal.
Dass es mit dem Neubau so gut geklappt hat und er genau den Vorstellungen entspricht, darüber freuen sich aus dem Mitarbeiterkreis besonders die eigenen Projektbegleiter Nicole Niehage und Manuel Martin. Bei ihnen liefen in der Vorbereitung und über die ganze Bauzeit die Fäden zusammen. Mit einigem Stolz dürfen sie bei der Familien-Einweihungsfeier am 30. August ihren Familie und Freunden ihren Arbeitsort vorstellen. Die offizielle Einweihung des neuen Firmengebäudes ist am 26. Juni vorgesehen. Dazu wird ein „besonderer Gast“ erwartet.
Hier wird jeder Besucher in Empfang genommen: Das Foyer wirkt großzügig und offen. Architektur und Gestaltung sind klar.
Die Architekten haben für Mitarbeiter und Besucher spannende Perspektiven kreiert. Glas zeugt von Transparenz und ist dominierendes Material.
Kickern nach konzentrierter Arbeit im Pausenraum: Mirja Neumann, Assistentin der Geschäftsführung (r.), und Janine Fus vom Vertriebsinnendienst.
Vom Staffelgeschoss aus haben die Mitarbeiter einen glänzenden Überblick auf das Verkehrsgeschehen am Südertor, den lebhaften Zugverkehr inklusive.
Fotos: Häger